Neben der Strecke….

Pressemitteilung

zum Vorschlag des Neubaus einer Eisenbahntrasse zwischen Kirchseeon und Ebersberg: Express-S-Bahnen statt „Striche in der Landschaft“

Eine Verkürzung der Reisezeit für die tägliche Fahrt von und nach München ist der nachvollziehbare Wunsch aller dort wohnenden Pendler. Die Reisezeit für Pendler östlich von Ebersberg ist aber auch deshalb so lang, weil der Filzenexpress wegen der vielen engen Kurven zwischen Ebersberg und Wasserburg höchstens 60- 80 km/h fahren kann. Daran wird auch die geplante Elektrifizierung bis Wasserburg nichts ändern. Und die Anhebung der Geschwindigkeit in diesem Abschnitt würde wahrscheinlich so umfangreiche Neutrassierungen erfordern, dass sich dies volkswirtschaftlich vermutlich nicht rechnen würde.

Bevor man aber nun irgendwelche „Striche durch die Landschaft“ auf dem Gebiet anderer Gemeinden zieht, ohne vorher mit der dortigen Bevölkerung überhaupt gesprochen zu haben, sollte man die Ist-Situation und die betriebstechnischen Möglichkeiten zunächst gründlich analysieren. Das scheint bei dem jetzigen Vorschlag einer Neubautrasse zwischen Ebersberg und Kirchseeon nicht erfolgt zu sein, denn die Bürger Grafings hätten davon nur Nachteile – sie würden eine schnelle Verbindung nach München verlieren.

Ziel muss es vielmehr sein, die Reisezeit von und nach München für alle Bürger zu verkürzen, um die Verlagerung des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) von der Straße auf die Schiene zu fördern. Das würde sich viel einfacher und vor allem schneller durch „Express-S-Bahnen“ erreichen lassen, die mehrere Stationen ohne Halt durchfahren. Die Attraktivität solcher durchfahrender Züge zeigt sich deutlich an der stetig wachsenden Fläche des P+R-Platzes in Grafing Bahnhof: die kurze Fahrzeit nach München ist für viele so vorteilhaft, dass sie auch aus Nachbargemeinden mit Bahn-Anschluss mit dem Auto nach Grafing Bahnhof fahren, um einen solchen durchfahrenden Zug zu nutzen.

Für die konkrete Situation im Landkreis Ebersberg wäre es daher viel sinnvoller, einige S-Bahnen aus dem Raum Ebersberg und östlich davon ab Grafing Bahnhof oder ab Kirchseeon ohne Halt bis München fahren zu lassen; es wären auch S-Bahnen sinnvoll, die ab Zorneding oder ab Haar nonstop durchfahren.
Die „besonderen S-Bahn-Gleise“ zwischen Grafing und Trudering bräuchten vielleicht ein paar Weichen mehr zwischen den beiden S-Bahn-Gleisen, um den nötigen Gleiswechselbetrieb uneingeschränkt zu ermöglichen.

Leider gefährden die vor kurzem veröffentlichten Pläne des Bundesverkehrsministeriums (BMVI) und der DB Netz AG die Einführung solcher Express-S-Bahnen, denn im Rahmen des Ausbaus des Brennernordzulaufs wird beabsichtigt, die besonderen S-Bahn-Gleise für Fernbahnzüge mitzubenutzen – und dies, obwohl das BMVI im Klageverfahren zum S-Bahn-Ausbau zwischen Zorneding und Grafing vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof Mitte der 1990er Jahre schriftlich zugesagt hat, dass die besonderen S- Bahn-Gleise nur für S-Bahnen benutzt werden.

Das gemeinsame Interesse aller Landkreisbürger ist die weitere Verbesserung des SPNV-Angebots im Landkreis Ebersberg. Würden die Pläne der DB Netz AG und des BMVI aber Realität, dann würde das Gegenteil eintreten: S-Bahn-Verspätungen und -Ausfälle würden beim Mischbetrieb mit Fernzügen weiter zunehmen, die Attraktivität würde abnehmen und Angebotsverbesserungen und Fahrzeitverkürzungen wären nicht mehr möglich. Auch die S-Bahnen, die über eine fiktive „Kirchseeon-Ebersberger-Spange“ fahren sollten, würden dann zwischen Kirchseeon und München im Mischbetrieb mit den Fernzügen die gewonnenen Fahrzeiteinsparungen wieder verlieren oder keinen Platz mehr finden.

Der AK Bahnlärm Kirchseeon fordert daher schon seit einiger Zeit die DB Netz AG nachdrücklich auf, endlich ein Gesamtkonzept für den Brennernordzulauf vorzulegen, das nicht auf einem Mischverkehr auf den besonderen S-Bahn-Gleisen zwischen Grafing Bhf. und Trudering basiert. Denn dadurch würde die Attraktivität des SPNV leiden und wieder mehr Pendler auf das Auto wechseln. Wer daher künftig die Chance haben will, pünktlich mit der S-Bahn oder gar mit Express-S-Bahnen schneller nach München und zurück zu kommen, der muss sich jetzt zu Wort melden und einen Mischbetrieb auf den besonderen S-Bahn- Gleisen ablehnen.


AK Bahnlärm Kirchseeon
c/o Susanne Höpler
Web:   https://www.bahnlaerm-kirchseeon.de
Email: bahnlaerm-kirchseeon@gmx.de