Aktuell

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PRESSEINFORMATION  vom 18. März 2019
AK Bahnlärm Kirchseeon, Brennerdialog Rosenheimer Land e.V.
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Lärmschutz  Brennernordzulauf München – Kufstein

Deutsche Bahn erweckt hohe Erwartungen – bietet aber nichts Neues!

„Die Deutsche Bahn macht bei der Umsetzung von zusätzlichem Lärmschutz an der Bahnstrecke im Inntal Tempo“. Was sich auf den ersten Blick wie die Ankündigung umfangreicher weiterer Lärmschutzmaßnahmen durch die DB Netz AG liest, stellt sich bei genauerer Prüfung als „Luftnummer“ heraus. Denn der von Torsten Gruber am 13. März auf einer Pressekonferenz schon zum x-ten Mal als neue Information angepriesene Lärmschutz steht entweder schon seit Jahrzehnten oder ist Teil der schon lange beschlossenen Maßnahmen der Machbarkeitsuntersuchung Brennerzulauf aus 2016/2017. Es wirkt ganz so, als ob die DB wieder mal auf Anraten ihres PR-Beraters „wiko preventk“ gehandelt hat, dessen Aufgabe die Beruhigung der aufgebrachten Bevölkerung am Brennernordzulauf ist und ohne den keine Sitzung in den Rosenheimer Foren stattfindet. Deshalb fordern alle Bürgerinitiativen einen überregionalen und entscheidungsbefugten Projektbeirat.

In dieser Machbarkeitsuntersuchung Brennerzulauf sind Maßnahmen für vergleichsweise bescheidene 13 Mio. EUR vorgesehen, davon kommen 2 Mio. EUR von der bayerischen Staatsregierung. Im Vergleich dazu werden für die Umsetzung der Machbarkeitsuntersuchung Elbtal (50 km) 60 Mio. EUR bereitgestellt und für die Maßnahmen der Machbarkeitsuntersuchung Mittelrheintal (100 km) werden sogar 70 Mio. EUR ausgegeben, davon 20 Mio. von den Ländern. 

Für die 13 Mio. EUR lassen sich auf dem rund 100 km langen bayerischen Brennerzulauf nur  6,6 km neue Lärmschutzwände bauen sowie kilometerlange Strecken mit Schienenstegdämpfern (SSD) ausrüsten, die zwar viel kosten, aber keine hörbare Lärmminderung bringen. Für die Bahn ist das dennoch ein Gewinn, sie erhält daraus 18 % der Projektsumme für die Planung, d.h. rund  2,5 Mio. EUR.

Der Großteil der Strecke bleibt daher weiterhin nicht ausreichend vor Lärm geschützt.  Die Landkreise sollen im Wesentlichen nur mit „farbigen“ Schienenstegdämpfern abgespeist werden. Dabei ist im Ballungsraum München die Belastung der Bevölkerung mit inzwischen deutlich mehr als 400 Zügen (290 Fernbahnzüge und etwa 140 S-Bahnen, laut Aufstellung der DB) schon so hoch wie in der „Bahnlärmhölle“ Mittelrheintal, für die am Freitag, 15. März im Bundestag ein Antrag auf den Bau einer großräumigen Umfahrung behandelt wurde. 

Schienenstegdämpfer sind nichts anderes als ein einfaches Stück Eisen, das an die Schienen geklemmt wird, um die Masse zu erhöhen und damit die Resonanzschwingungen der Schienen zu vermindern. Selbst einem physikalischen Laien leuchtet ein, dass die Farbe dieses Eisenstücks keinerlei Auswirkung auf die Lärmminderung haben kann. Um zu dieser banalen Erkenntnis zu gelangen, hat das Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur (BMVI) erstaunlicherweise sogar teure Gutachten in Auftrag gegeben. So antwortete das Bundesverkehrsministerium vor wenigen Tagen auf unsere Nachfrage zu „farbigen“ Schienenstegdämpfern:

„Die farbige Gestaltung von SSD könnte zu einer veränderten Wahrnehmung der akustischen Wirksamkeit führen. In einer abgeschlossenen Studie aus dem Jahr 2017 wurden auf einem kurzen Testabschnitt im Bahnhof Pfraundorf SSD mit drei unterschiedlichen Farben installiert. Es wurde eine repräsentative quantitative Befragung zum vermuteten Effekt auf Basis von Abbildungen und durch explorative, qualitative Befragung von Anwohnerinnen und Anwohnern durchgeführt. Den unterschiedlichen Lackierungen wurde hierbei jedoch keine unterschiedliche Lärmminderung zugeordnet. Dieses Ergebnis ist nach Einschätzung der Autoren der Studie auf die Wahl von im semiotischen Sinne vergleichsweise „stillen“ Farben zurückzuführen. Aufbauend auf den Ergebnissen der Studie aus dem Jahr 2017 werden für die Maßnahmen aus der Machbarkeitsstudie vom 03.08.2018 von zusätzlichen innovativen Lärmminderungsmaßnahmen in repräsentativ ausgewählten Ortslagen verschiedene Fragestellungen untersucht.“

Es befremdet sehr, was das BMVI als innovative Lärmschutzmaßnahmen bezeichnet und dass es die Öffentlichkeit mit farbigen Schienenstegdämpfern weiter irreführen und dafür Steuergelder ausgeben will. In weiteren Studien soll sogar noch nach „besseren“ Farben gesucht werden – im Glauben, sich durch Täuschung der Anwohner teuren, aber wirksamen Lärmschutz ersparen zu können.

Dieser ist aber dringend nötig, denn trotz der angeblich 50 km Lärmschutzwände, von denen nicht wenige in den letzten 10-20 Jahren unter Kostenbeteiligung der Kommunen errichtet wurden (z.B. in Haar und Vaterstetten), kommt es zu erheblichen Überschreitungen des zu Recht geforderten Lärmpegels nach Neubaustandard.

Ein Ausbau des Brennernordzulaufs ohne eine drastische Reduktion des Bahnlärms ist daher nicht zukunftsfähig und wird von den Menschen auch nicht akzeptiert.

Die DB Netz AG hat sich als „ehrlicher und neutraler Makler“ im Dialogverfahren mit diesem Täuschungsversuch erneut diskreditiert. Daher ist es verständlich, dass einige Gemeinden sowie alle Bürgerinitiativen im Inntal die weitere Zusammenarbeit in den Dialogforen unter diesen Bedingungen ablehnen. Eine Lösung der bestehenden Konflikte ist so nicht möglich.

Der AK Bahnlärm Kirchseeon, der Brennerdialog Rosenheimer Land e.V. und                   alle weiteren Bürgerinitiativen im Inntal fordern daher den Ersatz des jetzigen Dialogverfahrens durch einen überregionalen und entscheidungsbefugten Projektbeirat. Ein solcher wurde vor wenigen Tagen in Mannheim beschlossen, nach den erfolgreichen Vorbildern im Oberrheintal und an der Alpha-E-Trasse. Vertreter aus Bund, Land, Bahn, Kommunen und Bürgerverbände arbeiten dort gemeinsam an einer Lösung. 

Schlagworte:Brennerdialog, Bahntrasse Brenner-Nordzulauf, Lärmschutz, Schienenstegdämpfer,  DB, Dialogforum, unabhängiger Projektbeirat.